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NIC-Serie Band 18:
Haptisches Rendern zum Einpassen von hochaufgelösten Molekülstrukturdaten in niedrigaufgelöste Elektronenmikroskopie-Dichteverteilungen
Stefan Birmanns
ISBN 3-00-010004-0
September 2003, 178 Seiten
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Das Forschungsgebiet der strukturellen Biologie hat in den letzten
Jahren große Erfolge in der Strukturermittlung von immer größeren
biologischen Einheiten erzielen können. Mittlerweile sind auch große
Makromoleküle, sogenannte zelluläre Maschinen, in den Mittelpunkt des
Interesses gerückt. Um ihre Arbeitsweise verstehen zu können, müssen
Fragen nach strukturellen und funktionalen Zusammenhängen auf atomarer
Ebene beantwortet werden.
Verschiedene Strukturermittlungs-Techniken wurden in den letzten Jahren
entwickelt, um solche Mehrkomponenten-Moleküle untersuchen zu können.
Besonders erfolgreiche Techniken in der Elektronenmikroskopie, die
wesentliche Arbeitsschritte der Moleküle aufnehmen können, sind jedoch
in der Auflösung stark begrenzt. Da sich eine zelluläre Maschine aus
meist bekannten Teilkomponenten zusammensetzt, kann ein Gesamtmodell
auch durch die Kombination von verschieden aufgelösten Abbildungen
zusammengesetzt werden. Dieses Verfahren hat sich zu einem wichtigen
Werkzeug in der strukturellen Biologie entwickelt. Sowohl interaktive
als auch algorithmische Methoden haben sich etabliert.
Diese Dissertationsschrift schlägt eine neue interaktive Methode zur
Kombination von verschieden aufgelösten Daten vor. Der Benutzer bewegt
interaktiv eine hochaufgelöste Teilkomponente in die niedrigaufgelöste
Dichteverteilung, wobei er von haptischem Rendern, also einem künstlich
hervorgerufenen taktilen Sinneseindruck, unterstützt wird. In dieser
Methode wird die Hand des Anwenders durch das haptische Rendern in die
Richtung einer besseren Abbildungsposition gezogen, dabei bildet die
physikalisch basierte Modellierung eines Kraftfeldes die Grundlage der
Berechnung. Erprobte Bewertungsfunktionen, die auch von algorithmischen
Programmen eingesetzt werden, entsprechen der Potentialfunktion des
Feldes. Da der Einsatz von haptischem Rendern eine hohe
Kraftaktualisierungsfrequenz von zirka 1000 Hz erfordert, wird die
Methode der Vektorquantisierung zur Reduktion der Komplexität der
Berechnungen eingesetzt. Durch die Vektorquantisierung können Datensätze
auf wenige Merkmalsvektoren reduziert werden, wobei in dieser Arbeit
sogenannte topologieerhaltende neuronale Netzwerke verwendet werden.
Durch einen iterativen Prozess wird ein künstliches neuronales Netzwerk
so trainiert, dass die Gewichtsvektoren der Neuronen ein Signal
möglichst gut beschreiben.
Im Gegensatz zu existierenden interaktiven Ansätzen wird der Benutzer
darüber hinausgehend durch Virtual-Reality-Techniken unterstützt. Gerade
die Orientierung im virtuellen Raum, die für das Zusammensetzen der
dreidimensionalen Strukturen notwendig ist, kann so erleichtert werden.
Diese Methode wurde zum Nachweis der Praxistauglichkeit in Form des
Programmes "SenSitus" implementiert. Es unterstützt
Shared-Memory-Parallelrechnersysteme, um sowohl die Kraftberechnung für
das haptische Rendern als auch die graphische Darstellung zu
beschleunigen. Letztere kann sowohl auf Standard-Workstations (diverse
Unix-Derivate, PCs unter Linux und Windows) als auch
Virtual-Reality-Systemen mit Mehrseitenprojektion ausgegeben werden. Das
Programm wurde an verschiedenen Anwendungsbeispielen getestet, und die
Geschwindigkeit und Präzision des haptischen Renderns wurde systematisch
untersucht.

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