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Eine fundamentale Frage zum Verständnis von Materialien ist die Änderung von Struktur,
Eigenschaften und Reaktivität einer chemischen Verbindung ausgehend von kleinen
Molekülen über Cluster aus hunderten bis tausenden Atomen bis schließlich zum Festkörper.
Die vollständige Charakterisierung dieser Clusterstrukturen ist eine experimentelle
Herausforderung, bei der quantenchemische Methoden unverzichtbar sind. Das laufende
Projekt beschäftigt sich mit der Struktur und Stabilität von Vanadiumoxidclustern
verschiedener Größen und Formen in der Gasphase. Rechnungen weisen darauf hin, dass in
kleinen Vanadiumpentoxidclustern käfigartige Strukturen (links) gegenüber Ausschnitten aus
der Festkörperstruktur (rechts) energetisch begünstigt sind. Damit stellt sich die Frage, mit
welcher Clustergröße sich diese energetische Reihenfolge umkehrt und Struktur sowie
Eigenschaften des Festkörpers erreicht werden. Infolge der Problemgröße baut dieses Projekt
maßgeblich auf einem kürzlich, in Zusammenarbeit zwischen der Universität Karlsruhe und
dem ZAM entwickelten massiv-parallelen Dichtefunktionalcode auf, der in das
Quantenchemie-Programmpaket TURBOMOLE implementiert wurde.
(Thomas Müller, NIC-ZAM, Jülich; Marek Sierka, Jens Döbler und Joachim Sauer, Humboldt-Universität, Berlin) Umlagerungen molekularer Komplexe - Die Compliance-Matrizen-Methode als modernes Prognoseinstrument
Für die synthetisch bedeutsamen molekularen Umlagerungsreaktionen ist die Frage nach der Stärke der gelösten und der neu gebildeten Bindungen entscheidend. Gesucht werden daher eindeutige Deskriptoren für Bindungsstärken, deren numerischer Wert nicht vom gewählten Koordinatensystem abhängt. Ziel des Projektes ist die Etablierung der Methode der Compliance-Matrizen zur routinemäßigen Prognose und Beschreibung von Bindungsstärken in vielatomigen Element- und Metallorganischen Verbindungen. Gezeigt ist die Umlagerung (1,2-Silatropie) intermediär gebildeter, konformerer Wolframkomplexe (links, ein Konformer ausgewählt), die über einen Übergangszustand (Bildmitte) mit fünffach-koordiniertem Siliziumzentrum und schwachen Si-P- und Si-C- Bindungen zu den E- und Z-isomeren Endprodukten (rechts) umlagern. Die Compliance- Matrizen-Methode sagt in diesem Fall schwache P-Si-Bindungen in den Produkten voraus, was im Hinblick auf mögliche Reaktionspfade von besonderem Interesse ist. (Rainer Streubel, Institut für Anorganische Chemie, Universität Bonn) Schaltbare Chromophore für die Nichtlineare Optik
Azobenzolfarbstoffe haben in den vergangenen Jahren aufgrund ihrer ungewöhnlichen optischen und photochemischen Eigenschaften und ihrem Anwendungspotential in der hochkompakten optischen Datenspeicherung oder bei schnellen Telekommunikationsverbindungen erhebliches Interesse erfahren. Diese Farbstoffe lassen sich durch Bestrahlung mit sichtbarem oder ultraviolettem Licht zwischen zwei verschiedenen Zustandsformen mit weitgehend unterschiedlichen strukturellen und optischen Eigenschaften reversibel hin- und herschalten. Die hierzu nötige Lichtwellenlänge, wie auch andere Eigenschaften, lassen sich dabei durch relativ einfache chemische Modifikationen der Molekülstruktur gezielt steuern. Der Einfluss solcher Veränderungen auf die linearen und nichtlinear-optischen Eigenschaften substituierter Azobenzolfarbstoffe wird in aktuellen Forschungsprojekten mit quantenchemischen Verfahren basierend auf der zeitabhängigen Dichtefunktionaltheorie untersucht. Die Abbildung zeigt das höchste besetzte sowie das tiefste unbesetzte Molekülorbital eines asymmetrisch substituierten Azobenzolfarbstoffs. Die Orbitale lassen sich als modellhafte Darstellungen der elektronischen Zustände des Moleküls interpretieren, die bei der photochemischen Isomerisierung und der nichtlinearen Polarisierbarkeit des Farbstoffs eine Rolle spielen. Eine möglichst detaillierte Kenntnis der Eigenschaften dieser Zustände, wie sie über quantenchemische Berechnungsverfahren zugänglich werden, erleichtert die Entwicklung neuer Farbstoffe mit verbesserten Eigenschaften für verschiedene Anwendungsbereiche. Entsprechende Simulationsrechungen werden zurzeit auf dem Jump- Supercomputer des NIC durchgeführt. (Wolfgang Hieringer, Theoretische Chemie, Universität Bonn) Photo-Stabilität von DNA
Man nimmt an, dass elektronisch angeregte Zustände von DNA-Bausteinen kurzlebig sind,
um das Potential für photoinduzierte Genschäden zu minimieren, die aus photochemischen
Reaktionen wie z.B. Protonentransfer in angeregten Zuständen resultieren. Diese ab initio-
Simulation untersucht mögliche lichtinduzierte Protonentransfermechanismen unter
Beteiligung des Lösungsmittels, die zur Tautomerisierung der DNA-Base Guanin in wässriger
Lösung führen. Die Abbildung illustriert, dass das höchste einfach besetzte Molekülorbital
(gelbe und grüne Konturen) des ersten angeregten Singulettzustands beim Transfer eines
Protons vom Guanin ins Lösungsmittel delokalisiert, während das niedrigste einfach besetzte
Molekülorbital (blaue und braune Konturen) am Guanin lokalisiert bleibt.
(Nikos Doltsinis, Theoretische Chemie, Ruhr-Universität Bochum) Elektrische Leitfähigkeit auf der molekularen Skala(Wolfgang Wenzel, Institut für Nanotechnologie, Forschungszentrum Karlsruhe) Übergangsmetallionen in biologischen Matrizen
Durch Einbau von Metallionen in biologische Matrizen lassen sich Metalloenzyme erhalten,
die im Falle der Ionen der Übergangsmetallreihe insbesondere zu redoxaktiven Katalysatoren
führen können. Vanadium-Haloperoxidasen sind eine Gruppe von Enzymen, die einen
wichtigen Beitrag zur Biosynthese von halogenierten Naturstoffen leisten. Die Abbildung
zeigt die Struktur einer Vanadium-Haloperoxidase aus dem Pilz
Curvularia inaequalis. Die
chemische Verwandtschaft zwischen Vanadat und Phosphat hat auch Konsequenzen für
biologische Systeme. Insbesondere ist eine Gruppe von sauren Phosphatasen bekannt, die ein
dem Apoprotein der Vanadium-Haloperoxidasen analoges Aktivzentrum aufweisen. Wie
gelingt es der Natur mit einer gegebenen biologischen Matrix zwei sehr unterschiedliche
Reaktionen zu katalysieren (Vanadium-Haloperoxidasen: Oxidation; Phosphatasen:
Hydrolyse)? Die sich hieraus ergebenden Fragestellungen bezüglich Struktur und
Mechanismus sind Gegenstand der laufenden Untersuchungen. In den beiden Einfügungen
sind die Grenzorbitale der Vanadat-Imidazol-Einheit im aktiven Zentrum der Vanadium-
Haloperoxidase dargestellt (rechts: HOMO, links: LUMO).
(Masroor Bangesh, Axel Pohlmann, Winfried Plass, Anorganische Chemie, Universität Jena)
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S.Hoefler-Thierfeldt@fz-juelich.de,
23-Mar-2005
URL: <http://www.fz-juelich.de/nic/Publikationen/Broschuere/chemie-d.html> |
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