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NIC-Broschüre online: Erde und Umwelt

Die Broschüre des John von Neumann-Instituts für Computing gibt es auf Deutsch und auf Englisch. Sie kann bestellt werden beim NIC-Sekretariat (nic@fz-juelich.de).

deutsche Broschüre (pdf)   |  English brochure (pdf)



Einleitung Scientific Computing Astrophysik Elementarteilchenphysik Vielteilchenphysik Polymere Chemie Erde und Umwelt Sonstiges
Einleitung Scientific
Computing
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Elementar-
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Polymere Chemie Erde, Umwelt Sonstige
Gebiete


    Erde und Umwelt


"Erde und Umwelt"

Studien zur Untersuchung umweltrelevanter Prozesse haben meistens die irdische Atmosphäre und/oder die Ozeane zum Gegenstand. Heute ist klar, dass unsere Umwelt auch von Vorgängen in abgelegeneren Bereichen, wie dem Weltraum und dem Innern der Erde, geformt und beeinflusst wird. Das Innere der Erde stellt einen besonders unzugänglichen Bereich dar. Nur die äußerste Schicht ist direkten Messungen zugänglich. Ungeachtet der Unzugänglichkeit, spielt doch die Dynamik des Erdinnern eine entscheidende Rolle für unseren Lebensraum und für unsere Zivilisation.

Erdbeben und Vulkanausbrüche sind prominente Oberflächenphänomene, die auf die "Vitalität" des Erdinnern hinweisen. Weniger offensichtlich, aber ebenso bedeutsam, ist die interne Dynamik für die Entstehung und Verteilung von Ressourcen, von Erzlagerstätten über Öl bis hin zu einem unserer kostbarsten Bodenschätze, dem Grundwasser. Nicht wahrnehmbar für menschliche Sinne, doch möglicherweise von entscheidender Bedeutung für das menschliche Leben, ist die Existenz des irdischen Magnetfeldes. Es schirmt unseren Lebensraum gegen kosmische Strahlung und Partikel ab. Der Ursprung des Erdmagnetfeldes liegt tief im Innern unseres Planeten, im "äußeren Erdkern", der sich in einer Tiefe von 2900 bis 5100 km erstreckt. Der äußere Erdkern besteht im Wesentlichen aus geschmolzenem Eisen. Konvektionsströme in dieser elektrisch leitenden Flüssigkeit transformieren Wärme in Bewegungs- und schließlich in magnetische Energie. Das gesamte System bildet einen "planetaren Dynamo", der das Erdmagnetfeld erzeugt und aufrechterhält.

Computer und die Methoden der Computerphysik stellen die wichtigsten Forschungsinstrumente dar, die es erlauben, die Vorgänge in diesen unzugänglichen Bereichen der Erde zu enträtseln. Extrem aufwendige Computermodelle sind notwendig, um annähernd realistische Szenarien zu untersuchen. Berechnungen zur Dynamik des Erdinnern stellen daher typische Anwendungen für Supercomputer dar. Verfahrenstechnisch bestehen diese Untersuchungen im Allgemeinen in der Lösung stark nichtlinearer Differentialgleichungen, häufig in Parameterbereichen, die nicht viel gemein haben mit Anwendungen in der Atmosphäre oder im Ozean. Das Phänomen der Erdmantelkonvektion möge hier als Beispiel dienen. Der Erdmantel besteht aus Gestein, das sich allerdings über geologische Zeiträume wie eine sehr viskose Flüssigkeit verhält. Die Viskosität des Materials ist extrem stark abhängig von der Temperatur, die Temperaturabhängigkeit erstreckt sich über viele Größenordnungen. Die Flüssigkeitsdynamik eines solchen Materials ist noch weitgehend unerforscht, und es sind noch viele, auch grundlegende Fragen offen. In dieser Broschüre werden Beispiele aufgezeigt, die den gesamten angesprochenen Tiefenbereich abdecken, von der oberflächennahen Region bis hin zum Erdkern.

Grundwasser strömt im porösen Material des oberflächennahen Untergrundes. Besonders die Heterogenität des Untergrundbereichs stellt eine große Herausforderung an die Modelle dar, die der Untersuchung der Transporteigenschaften von Grundwasserströmungen dienen. Eine zufriedenstellende Vorhersagequalität solcher Modelle erfordert eine möglichst exakte mathematische Beschreibung der Verhältnisse. Die Validierung der Modellergebnisse ist von großer Bedeutung. Beobachtungen, Hand in Hand mit numerischen Studien, versprechen neue Einblicke in die Problematik und so auch nützliche Vorhersagen.

Andere Untersuchungen zielen auf die globale Dynamik der Erde ab. Die Oberfläche der Erde ist in Platten zersplittert, die sich mit einer Geschwindigkeit von einigen cm/Jahr gegeneinander bewegen. Konvektionsströmungen im Erdmantel, einer mächtigen Schicht, die sich zwischen einer Tiefe von 100 und 2900 km erstreckt, stellen den Antrieb der Plattenbewegung dar. Das Phänomen der Plattentektonik ist ein spezielles charakteristisches Merkmal der Erde. Die Planeten Mars und Venus weisen, zumindest derzeitig, keine Plattentektonik auf.

Die Studie von Walzer zielt auf eine selbstkonsistente Simulation von Plattentektonik und Mantelkonvektion. Die Simulation einer viskosen Flüssigkeit, deren Oberfläche sich wie eine sich starr bewegende Platte verhält, die aber wieder zur Flüssigkeit wird, wenn sie einsinkt, stellt ein erhebliches numerisches Problem dar. Die hohe Leistungsfähigkeit moderner Computer hat hier wesentliche Fortschritte gebracht.

Neben der Untersuchung von plattentektonischen Effekten zielen andere Studien auf eine realistische Beschreibung der Thermodynamik des Erdmantels ab. Die Einbeziehung komplexer Zustandsgleichungen, die das Verhalten des Materials im Erdmantel beschreiben, wird zu einem verbesserten Verständnis der Transporteigenschaften der Mantelkonvektion führen.

Die Erforschung des Geodynamos stellt derzeit so etwas wie den "Heiligen Gral" der Computergeophysik dar. Seit weniger als zehn Jahren sind Geophysiker in der Lage, selbstkonsistente Dynamos in numerischen Experimenten zu produzieren. Verglichen mit den Verhältnissen im Erdkern müssen alle existierenden Modelle noch als unrealistisch angesehen werden. Aber es stellen sich Erfolge ein. Weitere Entwicklungen und neue Lösungsalgorithmen scheinen notwendig, um die magnetohydrodynamischen Gleichungen zu lösen, die die Entwicklung von Temperatur, Strömungsgeschwindigkeit und Magnetfeldstärke unter den extremen Bedingungen des äußern Erdkerns beschreiben. Momentan scheint es kaum vorstellbar, dass die nächste oder übernächste Computergeneration Berechnungen für diese Bedingungen erlaubt. Die Erfahrung lehrt uns allerdings eine Geschichte von kaum übertroffener Entwicklungsgeschwindigkeit im Bereich der Computertechnologie und des wissenschaftlichen Rechnens.

(Ulrich Hansen, Institut für Geophysik, Universität Münster)


Schadstoffausbreitung im Untergrund

Schadstoffausbreitung im Untergrund

In Jülich wurden Programme entwickelt, mit denen sich der Wasserfluss und die Schadstoffausbreitung im Untergrund vorhersagen lassen. Das Programmpaket bestand ursprünglich aus zwei unabhängigen Komponenten: "TRACE" berechnet den Wasserfluss im Untergrund, "PARTRACE" berechnet aufbauend auf den Ergebnissen von "TRACE" die Ausbreitung der Schadstoffe. Als Ergänzung des Programmpakets wurde "PARCHEM" entwickelt, welches zusätzlich Wechselwirkungen zwischen mehreren Schadstoffen im Untergrund bei der Vorhersage mit einbeziehen kann.

Die Abbildung zeigt ein simuliertes heterogenes Grundwasserfließgeschwindigkeitsfeld in der Umgebung eines Brunnens. Regionen hoher Fließgeschwindigkeit sind durch kleine farbige Fließvektoren gekennzeichnet. Regionen geringer Fließgeschwindigkeit sind schwarz dargestellt. Auf der rechten Seite des Bildes zeigt die hohe Dichte der Fließgeschwindigkeitsvektoren eine starke Strömung hin zum Brunnen an. Die dargestellten Stromlinien, ausgehend von einer Fläche links im Bild, zeichnen Fließpfade nach, entlang derer sich Substanzen bewegen, die an dieser Fläche in das Grundwasserfließfeld gelangen.

(Harry Vereecken, Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre - Agrosphäre, Forschungszentrum Jülich)


Mantelkonvektion als Antriebsmechanismus der Plattentektonik

Schadstoffausbreitung im Untergrund

Tektonische Prozesse wie Gebirgsbildung, Subduktion oder Transformstörungen zeugen von einem dynamischen Erdinneren: Thermisch getriebene Konvektionsströme im Erdmantel sind verantwortlich für die Dynamik der Erdoberfläche. Aufgrund der extremen Umgebungsbedingungen und der starken Parametervariationen, wie etwa der Viskosität, ist die Untersuchung dieses fluiddynamischen Systems mit numerischen Methoden äußerst anspruchsvoll.

Unsere Arbeitsgruppe hat ein numerisches Mantelkonvektionsmodell entwickelt, mit dem die (Fluid-)Dynamik der Konvektionsprozesse im Erdmantel beschrieben werden können. Durch die Einbeziehung geeigneter rheologischer Gesetzmäßigkeiten ist es uns darüber hinaus gelungen, die Oberflächentektonik und die Dynamik des Erdmantels selbstkonsistent als ein System zu beschreiben. Die Abbildung zeigt einen Schnappschuss aus einer Modellrechnung. Mit Hilfe einer Volume-Rendering-Technik ist farbkodiert die Temperatur des Modellgebietes dargestellt (rot-heiß, blau-kalt). Auf der Vorderseite der Box sind Auf- und Abströme zu erkennen, wobei der Aufstrom auf der rechten Seite stark genug ist, um die Oberfläche zu erreichen. Diese wird mobilisiert (dargestellt durch weiße Vektorpfeile) und nach links bewegt, wo sie schließlich wieder ins Innere eintaucht. Die abgebildete Box stellt einen Ausschnitt aus dem Erdmantel dar, wobei die Höhe des Modellgebietes so gewählt wurde, dass sie der Mächtigkeit des Erdmantels (etwa 2900 km) entspricht.

(Ulrich Hansen, Helmut Harder, Alexander Loddoch, Claudia Stein, Institut für Geophysik, Universität Münster)


Viskosität des Erdmantels

Viskosität des Erdmantels

Der Erdmantel ist ein polykristalliner Festkörper, der sich, bedingt durch Löcher im Kristallgitter, auf geologischen Zeitskalen wie eine zähe Flüssigkeit verhält. Die Viskosität hängt ab von der Temperatur, dem Druck und auch dem Gehalt an leicht flüchtigen Stoffen, insbesondere Wasser. Das numerische Modell beschreibt die Dynamik eines kompressiblen Mediums in einer Kugelschale, die im wesentlichen durch radioaktive Elemente geheizt wird. Dies ist eine durchaus realistische Annahme für den Erdmantel. Kernstück der Arbeit ist die Herleitung einer Viskositätsverteilung. In die Rechnungen gehen Parameterabschätzungen ein, wie sie aus seismologisch beobachtbaren Größen abgeleitet werden können. Die Abbildung zeigt die farbkodierte Viskositätsverteilung an der Erdoberfläche, die Pfeile deuten die Geschwindigkeit des Festkörperkriechens an. Bemerkenswert ist die stückweise plattenhafte Bewegung, wie man sie auch an der Erdoberfläche beobachtet.

(Uwe Walzer, Institut für Geowissenschaften, Universität Jena)


Entstehung des Erdmagnetfeldes

Das Magnetfeld der Erde entsteht überwiegend durch Dynamoprozesse im geschmolzenen, elektrisch leitfähigen Eisenkern der Erde, also etwa in einem Tiefenbereich von 3000 bis 5000 Kilometer. Das Verständnis dieser Dynamoprozesse zählt zu den großen Herausforderungen der aktuellen Geophysik, insbesondere in Hinblick auf die in geologischen Zeiträumen auftretenden sporadischen Feldumkehrungen des dominanten Dipolanteils. Das Hauptproblem numerischer Simulationen des Geodynamos besteht darin, ein erdähnliches Parameter-Regime zu erreichen, in dem die Coriolis-Kraft und die magnetische Lorentz-Kraft über die viskose Reibung dominieren.

Erdmagnetfeld

Unsere Arbeitsgruppe hat eine parallele finite Volumen-Methode entwickelt, mit der das magnetohydrodynamische Dynamoproblem in Kugelschalen gelöst wird. Geringe Temperaturdifferenzen zwischen Erdmantel und Erdkern treiben eine heftige Strömung, die durch Induktion ein infinitesimal kleines Magnetfeld verstärken, bis ein statistischer Gleichgewichtszustand erreicht wird. Die Abbildung zeigt eine Isofläche des Absolutbetrages der berechneten magnetischen Feldstärke im Kern. Das Magnetfeld an der Kern-Mantel- Grenze ist in jeder Hemisphäre in vier Flussbündel konzentriert, die mit parallel zur Rotationsachse angeordneten Konvektionsrollen übereinstimmen. Eine ähnliche Konfiguration zeigt auch das gegenwärtige Erdmagnetfeld nach einer Feldfortsetzung auf die Kern-Mantel-Grenze. In weiteren Rechnungen wird der Übergang zu kleinskaligen Strömungen bei abnehmender Viskosität bestimmt.

(Helmut Harder, Stephan Stellmach, Ulrich Hansen, Institut für Geophysik, Universität Münster)


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S.Hoefler-Thierfeldt@fz-juelich.de, 23-Mar-2005
URL: <http://www.fz-juelich.de/nic/Publikationen/Broschuere/erde-umwelt-d.html>